„Now we have the salad …“

DIGI-SLAM Elisabeth Sechser 2019

Eine einfache Geschichte über ein paar Menschen

Automatisierung Rationalisierung
Digitalisierung
Digitale Transformation
Digitaler Wandel
Kultureller Wandel
Perpetual Disruption
1.0,2.0,3.0,4.0,5.0….


während das selbstfahrende Car4Kids meine Tochter von der Schule abholt und Jimmy, mein IOT Kühlschrank den Einkauf managt, schicke ich Christoph, Birgit und ihren Kids noch die Infos für den gemeinsamen Alm-Urlaub mit der Anmerkung, dass die Adresse dem Navy noch völlig unbekannt ist.

„Quasi noch ein echter digitalfreier Fleck in Österreich“, meint Papa lächelnd. Google-earth zeigt ihm auch nur ein unscharfes Foto, wie er mir auf seinem Smartphone zeigt. Ich kenne ja den Weg, war in meiner Kindheit zigmal dort.  Schön, dass Papa mitfährt. Und gut, dass wir jemanden dabeihaben, der Feuer machen kann. Papa erzählt mir von drei weiteren Berufen, die er bei seinen Internetrecherchen gefunden hat: Big Data-Expertin, Architektin für Virtual Reality und Mensch-Maschine-Interaktionsdesignerin. „Also früher klang Beruf einfacher“, seufzt er. „Und? Wie findest du so die Digitalisierung?“ fragt er mich.

„Wie meinst du das? Die Digitalisierung im Kriegswaffeneinsatz? Die Digitalisierung in der Medizin? Die Digitalisierung am Finanzmarkt? Mobilität und Digitalisierung? Überall wo Digitalisierung Probleme löst oder wo sie Probleme macht? Oder meinst du Jimmy, meinen Lieblingskühlschrank?“

„Ui, … Gott sei Dank muss ich das alles ja nicht mehr verstehen“, meint Papa und dreht sein Hörgerät via App auf lautlos. 

Wie finde ich die Digitalisierung? Wie finde ich das Wetter? Wie finde ich den Fortschritt? Wie finde ich … die Abzweigung zur Hütte? Ach ja, hier: Almhütte, Kuhstall, Wald.

„Juhu, Ruhe von all dem digitalen Großstadtleben“ ruft Birgit. Sie braucht nur ihren Kindle und Spotify, freut sich, dass die Kinder mal echte Kühe erleben. Papa macht gleich Feuer, die Kinder erkunden den Dachboden. Christoph beginnt mit dem Kochen und wir Frauen gönnen uns mal ein Bier.

Birgit findet es beängstigend, wie sich die Welt aufgrund der Digitalisierung   J E T Z T    G E R A D E   verändert. Wird es wirklich zu dieser Massenarbeitslosigkeit kommen? … Bevor das Grundeinkommen für alle durch ist? „Was machen denn dann die ganzen Leute?“ „Ja, die müssen alle etwas anderes lernen. All das, was Maschinen nicht können.“ Schön, dass es endlich digitale Kompetenz als Unterrichtsfach gibt. Ist doch mal ein Anfang. Und schon stolpern wir in das große Thema Bildung. Bildung muss sich auch transformieren, all das stärken, was Maschinen niemals erreichen können: Menschliche Fähigkeiten, Werte, aufeinander schauen, Verantwortung übernehmen.

„Now we have the salad… and se Spaghetti“, ruft Christoph und alle stürzen hungrig um den alten Holztisch. 

Am nächsten Tag werden wir von muhenden Kühen geweckt. Ja, lasst uns Milch holen und Kühe streicheln… so wie damals. Ich spüre wie sich mit jedem Schritt Richtung Kuhstall meine nostalgischen Kindheitserinnerungen wohlig in mir ausbreiten.

„Wow! Was ist denn hier passiert?“ Der gesamte Kuhstall ist voll automatisiert, digital. Ein Roboter macht permanent sauber, eine Kamera beobachtet von oben das selbstorganisierte Kuhtreiben. Sie ist mit dem Handy des Bauern verbunden. Wobei, der heißt ja jetzt Agra-Ökonom. Neben dem Schwalbennest hockt auch eine Drohne und schaut mir zu

…vielleicht?

Das vollautomatisierte Melksystem weiß, wann welche Kuh wieviel Milch gibt und schlägt Alarm, wenn etwas auffällt. Futterzufuhr wird individuell gesteuert. Alles ist mit einem Computer verbunden. Dort sieht man Diagramme, Kennzahlen, Tabellen, Hinweisen aller Art, verbunden mit der Milchpreiskurve.

Papa staunt, … und dreht seine Hörgeräte-App wieder auf lautlos. Er geht mal mit den Kindern Kühe streicheln. Ich bin sprachlos, meine Kindheitserinnerungen sind von diesem Digitalisierungsschock platt gemacht. … und ich bin auch fasziniert.

“Und mehr Lebensqualität haben wir jetzt auch“, erzählt die Agra-Ökonomin. „Das ist doch schön, … oder?“

Die Kinder sind glücklich. Die Kühe werden gestreichelt, alles ist toll.

Doch was ist, wenn hier mal die ganze Digi-Technik ausfällt? Dann stehen da 50 Milchkühe rum? Wer melkt die denn dann? Kann das der Jungbauer überhaupt noch? Und wenn, … alleine schafft er das ja nie. Papa meint, man könne ihn dann sehr gerne holen. Melken hat er nicht verlernt. Nach ein paar Tagen verlassen wir mit ca. 500 digitalen Erinnerungen und dem Geruch von Kuhstall auf unserer Kleidung die Alm. 

Ich denke an die Sorgen von Birgit. Wir müssen uns um die Ängste und Sorgen kümmern, zuhören, neue Lösungen finden. Ich bin froh, dass es AlgorithmenWatch gibt, so wie ich auch froh bin, dass Global2000 auf die Welt schaut. Wir brauchen die Hoffnung für die Zukunft und die Mutigen, die voran gehen. Ich freue mich, über all die Möglichkeiten der Digitalisierung und ich freue mich, dass der digitale Wandel uns wieder gemeinsam auf die Suche nach neuen kulturellen Mustern schickt.

Ja, wir alle sind wieder einmal auf der Suche. Gemeinsam.

von Elisabeth Sechser
Beraterin für moderne Organisationsdesigns und Gutes Neues Arbeiten
Beitrag beim DIGI-SLAM 2019 | 6. März 2019

Wir sind überzeugt, dass es darum geht, wie sich Organisationen um die Menschen bauen und nicht umgekehrt, denn die Arbeit soll den Menschen folgen. Es gelingt nur in Kooperation, wirklich gute Arbeitsorte zu schaffen. Wir wissen, dass Vertrauen, intrinsische Motivation und Investition in Dialoge, in Menschen und in die Wertschöpfungsstruktur die wesentlichen Hebel sind. Wir sind überzeugt, dass nur ein miteinander Denken und gemeinsames Wirken Grundlage für gutes (neues) Arbeiten ist. Sehr gerne könnt ihr uns kontaktieren, wenn ihr echtes Interesse daran habt, gemeinsam mit uns wesentlichen Fragen auf die Spur zu kommen, damit die passenden Antworten entstehen können. Wir freuen uns schon darauf.