Zu Tode informiert? Geht gar nicht!

Liebe Organisationen, liebe Führungskräfte, liebes Management, liebe Daten-verliebte Wesen!

Hier etwas zum Nachdenken, um die wesentliche Unterscheidung zwischen Daten und Information zu lernen!  Ein Beitrag für alle, die entweder von zu vielen Informationen erschlagen werden, zu wenig Informationen bekommen, die gerne alle Daten erfassen möchten oder glauben, eine Organisation wird klüger und handlungsfähiger, wenn alle alle Daten bekommen. Leider ist genau das Gegenteil der Fall. Die Organisation verblödet. Und wer nun glaubt, dass man dann lieber doch kein Wissen teilen und den Transparenz-Trend wieder einstellen sollte, der hat gar nichts verstanden. Über die kaum noch wahrgenommene ständige Verwechslung von Information und Daten und etwas, das man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: Zu viele Daten sind weniger Information. Es gibt keine Informations-Flut, sondern nur eine Daten-Flut. Daten können Information töten.

  • Daten sind formale Strukturen. Nur sie können gespeichert, transportiert und von Computern verarbeitet werden. Information dagegen ist ein Ereignis im Inneren eines Bewusstseinssystems. Sie kann weder transportiert noch gespeichert werden. Außerhalb des Systems findet keine Information statt. Die Welt ist wie sie ist, sie enthält keine Information.
  • Nur verstandene Daten können Information auslösen. Zu viele Daten sind weniger Information. Es gibt keine Informations-, sondern nur eine Daten-Flut. Daten können Information töten. Unternehmen, deren Mitarbeiter:innen über Informationsmangel klagen, können ohne diese Unterscheidung ihr Problem nicht lösen, ja nicht einmal darüber nachdenken.
  • Das Versenden einer Mail ist weder Kommunikation noch Information, sondern nur eine Mitteilung aus Anlass einer Information. Erst wenn eine Mail als Mitteilung verstanden ist, hat Kommunikation stattgefunden. Und erst wenn der/die Adressat:in aus der Mitteilung Information erzeugen kann, kann weitere Kommunikation stattfinden. Dabei heißt verstehen, eine Handlung als Mitteilung auffassen. In diesem Sinne ist ein Missverständnis auch Verstehen. Das kommt sehr häufig vor. Und dann werden oftmals Schuldige gesucht, dabei liegt es am Vorgang selbst.
  • Integrierte EDV-Systeme erzeugen ihre einheitliche Datenbasis aus vielen Quellen. Dies vernichtet Informationsmöglichkeiten über die Herkunft und Entstehung der Daten. Bei hoher Dynamik benötigen alle Daten einen Eigner / eine Eignerin. Nur dann kann die notwendige Qualität der Daten ausgehandelt und eingeklagt werden. Nur dann kann Vertrauen entstehen. Wird auf Basis von anonymen Daten gehandelt, so ist auch die Verantwortung für die Konsequenzen anonym. Moderne EDV-Systeme müssen auch die Genialität der Bedienenden vertragen, nicht nur deren Dummheit.

Vielleicht können sich nun einige Führungskräfte entspannt zurücklehnen, mit der Daten-Konfrontation in Meetings aufhören. Bringt ja eh nix! Zu viel Daten töten Information! Vielleicht gelingt es dafür besser, gemeinsam Meetings sinnvoll zu gestalten und wesentliches für Gutes Arbeiten zu besprechen. Vielleicht werden nun weniger Daten durch Organisationen geschleudert, einige Info-Meetings abgeschafft oder zu Dialog- & Lernräumen. Vielleicht wird es dann wieder luftiger und leichter, wenn Menschen zusammenkommen, gemeinsam nachdenken, sich austauschen, echte Gespräche führen, Daten auswerten und Informationen abgleichen, gemeinsam lernen und verantwortungsvolles Handeln daraus ableiten. Vielleicht hilft es, die Sicherheits-Illusion durch die sogenannte „Informations-Überschwemmung“ loszulassen. Vielleicht finden sich neue, andere, gute Wege, um EDV im Unternehmen zu nutzen. Vielleicht ist es ein kleiner Beitrag zu mehr Lebendigkeit im Unternehmen. Das macht Organisationen dann wieder robuster, Arbeit wieder attraktiver und trägt zur Zukunftsfähigkeit bei. Wir werden sehen!  

Quellen:
– Wohland, Gerhard (1998) „Jenseits von R/3“ – Über den unnötigen Konflikt zwischen EDV und flexibler Organisation (Zeitschrift) Noch unveröffentlicht Das so genannte ‚R/3-Problem‘ hat seine Ursache nicht in dieser Software, sondern in der Denkweise mit der diese eingesetzt wird.
– Foerster, Heinz von (1997) „Einführung in den Konstruktivismus“ Beiträge von Glasersfeld, von Foerster (Buch) R. Oldenburg, München / ISBN 3-492-21165-8 Der Konstruktivismus ist einer der Säulen der Systemtheorie. Erkenntnis beginnt mit einer Unterscheidung und Bezeichnung. Erst danach kann über die ‚Welt‘ gedacht werden
Vom Wissen zum Können – Merkmale dynamikrobuster Höchstleistung. Eine empirische Untersuchung auf systemtheoretischer Basis, Dr. Gerhard Wohland Judith Huther-Fries Matthias Wiemeyer Dr. Jörg Wilmes, 2004

Wer lernen möchte,

  • wie man scharfe Unterscheidungen macht, um dann Zusammenhänge zu erkennen,
  • was es mit den Unterscheidungen KOMPLIZIERT – KOMPLEX, WISSEN -KÖNNEN, ZENTRUM-PERIPHERIE, STEUERUNG-FÜHRUNG, PRINZIPIEN – REGELN, OFFENHEIT – GEHEIMNIS auf sich hat
  • was der § 5 TRANSPARENZ des Beta-Kodex  bedeutet, 
  • wie all das dazu beiträgt, Organisationen dynamikrobuster zu gestalten und Menschen arbeiten zu lassen,

kann sich sehr, sehr gerne an uns wenden.  Wir bieten Dialog- & Lernräume für Gutes Neues Arbeiten. Wir entwickeln und begleiten co-kreative Konzepte, damit Menschen im digitalen Zeitalter gut arbeiten können und Unternehmen zukunftsfähig bleiben. >>>>>>