Pionierin der demokratisch-dezentralisierten Organisation

Mary Parker Follett | 1868 – 1933

Sie war Vordenkerin der modernen Managementlehre, Forscherin der Gruppendynamik in Organisationen, Managementautorin, Philosophin, Lernraum-Designerin, Wertschöpfungs-Gestalterin, durch und durch eine Demokratin.  

Mary Parker Follett, aufgewachsen in Massachusetts, schloss 1898 ihr Studium der Wirtschaft, Regierung, Jura und Philosophie am Radcliffe College mit summa cum laude ab. Hier entstand ihre erste Forschungsarbeit und ihr erstes Buch „The Speaker of the House of Representatives“, welches auch von Präsident Theodore Roosevelt hoch gelobt wurde. 1908 war sie Vorsitzende des Komitees der Women’s Municipal League, später Mitglied des Massachusetts Minimum Wage Board und wurde 1917 Vizepräsidentin der National Community Center Association. Mary Parker Follett war Vermittlerin zwischen Sozialer Arbeit und Management. In ihrer langjährigen Tätigkeit in der Gemeinwesenarbeit in Boston setzte sie sich für Lerngruppen, Gemeinschaftsräume, Bildungszentren, das Anerkennen, Nutzen und Stärken von Vielfalt ein. Sie war eine praktische Umsetzerin und Organisationstheoretikerin; kam über die Gemeinwesenarbeit, die Bildungs- und Berufsberatung in die Organisationen, die Arbeitsorte der Menschen. Sie schuf die essenziellen Grundlagen für die demokratisch-dezentralisierte Organisationsgestaltung, war als Forscherin, Rednerin, Beraterin und Autorin bekannt. Vielfalt nutzen, Konflikte nutzen und integrieren, gemeinsame Ziele durch ko-aktive Macht, durch eine geteilte Verantwortung aller Mitglieder erreichen, gehörten zu ihren wichtigsten Thesen.

“No one can give us democracy, we must learn democracy. The training for democracy can never cease while we exercise democracy. We older ones need it exactly as much as the younger ones.” 

“Einheit, nicht Einheitlichkeit, muss unser Ziel sein. Wir erreichen Einheit nur durch Vielfalt. Unterschiede müssen integriert, nicht vernichtet oder absorbiert werden. Jeder Unterschied, der in eine größere Konzeption einfließt, nährt und bereichert die Gesellschaft. Jeder Unterschied, der ignoriert wird, nährt sich von der Gesellschaft und korrumpiert sie schließlich.” 

Mary Parker Follett fand vor über 100 Jahren heraus, dass Gruppen erfolgreicher sind, wenn sie ihre Aufgaben selbst bestimmen konnten und in Netzwerkstrukturen zusammenarbeiten. Sie empfahl das “self-governing principle” und kritisierte hierarchische, autoritäre Führungsstrukturen in Organisationen.

“That is always our problem, not how to get control of people, but how all together we can get control of a situation.”

Durch ihre Forschungsarbeit entdeckte und benannte sie, dass die üblicherweise enge Verbindung zwischen Führung und der Person einer Führungskraft Potentiale in Organisationen hemmt. Statt Macht über” braucht es “Macht durch” – also Interaktion im Team, gemeinsame Ziele, das Miteinander-füreinander-leisten.

“My place in the whole.” Die Interaktion zwischen den Individuen, das Gestalten von Zusammenarbeit, das gemeinsame Erreichen von Zielen wird in Unternehmen gebraucht.”

Ihre Arbeiten sind Grundlagen für das Gestalten von wertschöpfungsstarken, dezentralen, agilen, menschgerechten Organisationen. Der beste Mehrwert für Organisation und jedes Individuum entsteht, wenn diese lokalen Communities mit der größtmöglichen Selbstorganisation ausgestattet sind. 

“Eine große Organisation ist eine Ansammlung von lokalen Gemeinschaften. Individuelles und institutionelles Wachstum werden maximiert, wenn diese Gemeinschaften so weit wie möglich selbstverwaltet sind.”

Sie setzte sich dafür ein, Lernen als kontinuierliche Lebensaufgabe zu sehen, zu fördern und zu ermöglichen. Lokale Gruppen und Netzwerke spielten hierfür eine große Rolle und ermöglichten durch das Lernen, durch die Auseinandersetzung im Alltag, dass wichtige demokratische Fähigkeiten erworben werden können.

“We must have more life in our universities, more education in our life. The training for democracy can never cease while we exercise democracy. We older ones need it exactly as much as the younger ones.”

Gemeinsam mit Silke Hermann, der Meisterin für Dezentralität in Unternehmen, haben wir das Schaffen von Mary Parker Follett auf die Podcastbühne geholt.

Wer nun behauptet, es sein erst ein junges Phänomen, dass hierarchische Organisationsformen, “Command und Control” Unternehmensführung als undemokratisch und somit wertschöpfungsschwächend kritisiert werde, der irrt. Wer meint, integrierte, demokratische Managementmodelle gab es vor 100 Jahren noch nicht, der weiß zu wenig. Wer glaubt, dass Netzwerkstrukturen moderner Trend sind, der sollte ihre Bücher lesen.

4 plus 1 Buchempfehlungen von und über Mary Parker Follett

Follett, M: Creative Experience Taschenbuch von Mary Parker Follett, 1953, Neuauflage 2013, Martino Fine Books
Follett, M: Dynamic Administration: The Collected Papers of Mary Parker Follett, 1940, Neuauflage 2013, Martino Fine Books
Mary Parker Follett Prophet of Management, Pauline Graham, 1994, Neuauflage 2003, Beard Books 
The New State: Group Organization the Solution of Popular Government, Mary Parker Follett 1923, Neuauflage 2016, Martino Fine Books