Demokratie entsteht in Meetings, in jedem Projekt, in Konfliktgesprächen und in der Art, wie wir Organisation und Zusammenarbeit gestalten.
Wenn Vertrauen in Institutionen sinkt und autoritäre Rezepte wieder verführerisch erscheinen, dann zeigt sich: Demokratie entfaltet sich nicht von selbst. Sie ist kontinuierlich zu gestalten. Unternehmen bilden dafür wichtige Praxisräume, denn starke Zusammenarbeit ist eine Schlüsselkompetenz unserer Zeit. Sie ist ein echter Demokratiebooster. Wie wir führen, entscheiden, Konflikte austragen und Verantwortung teilen, prägt nicht nur Organisationen, sondern unsere Gesellschaft insgesamt.
“Zusammenarbeit ist kein „Soft Skill“. Sie ist ein demokratischer Kernprozess.”
Organisationen sind gesellschaftliche Orte. Orte, an denen Macht gestaltet wird. An denen Autorität ausgeübt wird. An denen entschieden wird, ob Menschen gehört werden oder verstummen. Wenn wir dort autokratische, patriarchale Muster (auch die leisen) dulden, dann reproduzieren wir genau jene Logiken, die demokratische Kultur untergraben. Somit ist die Wahl der Management-Konzepte ein essentieller Baustein politischer Weltwirtschaft. Managementtheorien, die sich entkoppelt von demokratischen Grundwerten denken lassen, tragen die Gefahr in sich, für nicht-demokratisches Handeln vereinnahmt zu werden. Auch im Kleinen. Auch hier. Auch heute. Denn Demokratie ist mehr als eine formale Wahlhandlung. Sie ist gelebte Praxis des gemeinsamen Denkens, Ringens und Entscheidens. Sie entsteht dort, wo Unterschiedlichkeit produktiv gemacht wird, wo Konflikte nicht vermieden, sondern integrativ bearbeitet werden, wo Führung nicht als Kontrolle, sondern als gemeinsames Wertschöpfen verstanden wird.
Inspiriert vom Denken von Mary Parker Follett können wir Demokratie als relationale Dynamik begreifen: Menschen handeln nie isoliert – sie antworten aufeinander. Diese „circular response“ erinnert uns daran, dass Zusammenarbeit immer Wechselwirkung ist. Demokratische Organisationen gestalten diese Wechselwirkung bewusst. Sie fördern „power-with“ statt „power-over“, geteilte Verantwortung statt hierarchischer Dominanzen. Es ist verständlich, wenn Menschen angesichts von Krisen, Enttäuschungen und Überforderung müde werden. Demokratie verlangt Beteiligung – auch dann oder gerade dann, wenn es mühsam wird. Demokratische Arbeitsorte sind durchaus auch anstrengender. Es wird Präsenz und Fokus erwartet, kritische Auseinandersetzung verlangt, Verantwortung niemanden entzogen. Diese Anstrengung macht jedoch Unternehmen wirkungsvoller und uns Menschen aus.
“Wer glaubt, autoritäre Lösungen seien effizienter, verkennt, dass Freiheit, Selbstbestimmung und gemeinsame Verantwortung keine Hindernisse, sondern Quellen nachhaltiger Stärke sind.”
Wir brauchen Unternehmen, die einem humanistischen Menschenbild verpflichtet sind. Die echte Wertschöpfung betreiben – ökonomisch und gesellschaftlich. Die Organisationsdesigns entwickeln, die kooperative Intelligenz freisetzen, die Diskursräume schaffen, die Lernen ermöglichen, die so gestaltet sind, dass sie gemeinsame Macht erzeugen. Zusammenarbeit zahlt ein in demokratische Resilienz. Demokratie entsteht nicht nur im Parlament. Demokratie entsteht im Meeting, im Konfliktgespräch, in der Art, wie wir entscheiden, in der Frage, wer gehört wird, in den Prinzipien und Strukturen der Organisation. Mary Parker Follett erinnert uns daran, dass Macht nicht aus Position, sondern aus Können, Erfahrung und Beziehung entsteht – und dass genau darin die demokratische Kraft von Organisationen liegt.
“Starke Zusammenarbeit ist deshalb mehr als Effizienz. Sie ist ein demokratischer Kernauftrag.”

