Am 4. Dezember jährte sich zum 50. Mal Hannah Arendts Todestag. Die großartige politische Denkerin nannte „die Zerstörung der Urteilskraft“ den Nährboden für die Zerstörung der Demokratie.
Dass die digitalen Brandbeschleuniger unsere Demokratien beschädigen, ist die eine Sache. Dass die Beschädigung, die Zerstörung unserer Demokratie auch bereits vor dem Social-Media-Zeitalter grausamst möglich war, ist dieselbe Sache. Und dass Unternehmen dieser Beschädigung täglich entgegenwirken können oder sie beschleunigen können, passt ergänzend dazu.
Fake News sind kein Bestandteil des modernen Zeitalters. Der größte Schutz vor den Kräften der Wirklichkeitsverluste, vor dem Abbau unserer Urteilskraft, ist das Denken, das Nachdenken, das Mitdenken, das gemeinsame, verantwortungsvolle Handeln.
Unternehmen sollten unbedingt darauf setzen, sollten die kritische Urteilskraft fördern und fordern. Starke Organisationen lieben kluge Menschen, die Widersinniges erkennen, Ungereimtheiten aufzeigen, infrage stellen.
Die Förderung von Gruppenbeziehungen, von Auseinandersetzung, von Integration der Unterschiede, von gemeinsamer Führungsarbeit als Teams ist mehr als ein betriebsstärkendes Vorhaben – es ist eine der Grundessenzen für funktionierende Demokratien. Und Demokratie hört nicht vor den Unternehmenspforten auf.
In demokratiestärkenden Unternehmen wird die Denkkraft provoziert, die Urteilskraft ständig gemeinsam geschärft und der gesunde Menschenverstand gelebt. Es sind Orte, wo alle Organisationsmitglieder sich gemeinsam um die Arbeit kümmern, voneinander lernen und miteinander leisten. Wo alle aufgefordert sind Absurditäten aufzuspüren, zu erkennen und abzuschaffen. Das beginnt bereits bei Managementtheorien und -praktiken, die uns schaden.
von Elisabeth Sechser, Expertin für Good Management-Theories for Good Management-Practise
