Hat Selbstorganisation Grenzen?

Winfried Kretschmer, Chefredakteur und Geschäftsführer von changeX im Interview mit Elisabeth Sechser. Was ist und was soll Selbstorganisation? Und was braucht es, um sie möglich zu machen? Ein Auszug.

Will man robuste, wertschöpfungsstarke, humanistische Arbeitsorte schaffen und will man demokratisch-marktwirtschaftliche Unternehmensführung, dann kommt man an Selbstorganisation nicht vorbei. Selbstorganisation ist Zusammenarbeit in Teams. Wir müssen also die Illusion von Einzelleistung in Organisationen hinter uns lassen und Teams mit hoher Autonomie ausstatten, damit jedes ihr Business machen kann. Selbstorganisation funktioniert auch nur mit einem humanistischen Menschenbild. Menschen möchten leisten, wirken, zusammen Mehrwert schaffen. Das liegt in unserer Natur, und das sollten wir auch in Unternehmen zulassen.

Was verstehst du unter Selbstorganisation? 

Selbstorganisation ist ein Miteinander-füreinander-Leisten. Das gemeinsame Gestalten von Arbeit. Sie ist die Grundlage für das Erzeugen von Wertschöpfung in Komplexität. Jeder und jede aus dem Team trägt dazu bei, dass Teamleistung gelingt. Es wird vereinbart, arbeitsteilig gearbeitet, Leistung gemeinsam gemessen, gemeinsam gelernt. Es ist Selbstbestimmung und Selbstverantwortung, die sich durch dieses Miteinander, durch die Interaktion, durch die gemeinsamen relativen Ziele entfalten können. Selbstorganisation bedeutet eine konsequente, verbindliche und ernsthafte Zusammenarbeit. Jeder und jede kann sich einbringen, muss sich aber auch. “Gemeinsam etwas rocken” – darum geht es. So gelingt Höchstleistung. So können menschliche Potenziale sich entfalten.

Ist der Begriff Selbstorganisation passend und hilfreich? 

Wenn klar ist, was Selbstorganisation bedeutet, schon. In diesem Begriff stecken die Grundlagen für demokratisch-marktwirtschaftliche Zusammenarbeit. Es ist eine Vokabel, die wir benötigen. Leider wird der Begriff auch oberflächlich verwendet oder falsch verstanden. Selbstorganisation geht nicht einfach so, ist auch nicht “eine Chefetage weniger” und wird vor allem in hierarchisch-steuernden Unternehmen Menschen zusätzlich verwirren. Und auch belasten. Selbstorganisation gelingt nur in einem Re-Design des Organisationsmodells. Alles andere wäre entweder der billige oder sagen wir lieber teure Versuch einer Abkürzung – es wäre einfach nicht zu Ende gedacht. Wir brauchen also das Denkmodell in unseren Köpfen, um dann das Unternehmen zum Blühen zu bringen.

Hat Selbstorganisation Grenzen? 

Hat Selbstverantwortung Grenzen? Hat Erwachsensein Grenzen? Das alles ist nicht immer einfach, manchmal sehr mühevoll. Es ist die beste Variante, um zu gestalten. Begrenzen Unternehmen die Entfaltung von Selbstorganisation? Ja. Durch Fremdsteuerung und Zentralität.

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Das ganze Interview mit allen 15 Fragen und Antworten könnt ihr hier lesen >>