Demokratie unter Druck

Demokratie ist kein fertiger Zustand. In diesen Tagen einen Artikel zu verfassen, ohne auf das aktuelle Weltgeschehen, diese weitere humanitäre Katastrophe einzugehen, ist nicht möglich. Wie umfangreich und erschütternd Putins Angriff auf die Ukraine ist, wird uns gerade bewusst. Überraschend? In der Heftigkeit und Entschlossenheit. Unerwartet? Unbeteiligt? Wohl nicht.

Wie wir aktuell herausgefordert sind, unsere Demokratien zu verteidigen, zu schützen, zu stärken, von autokratischen Mustern zu befreien, zeigt sich jetzt in einer Dimension, die weder Sprachlosigkeit noch Erstarren braucht. Es braucht neben Solidarität und humanitärer Hilfe vor allem einen konsequenten Einsatz für den Erhalt von Demokratien. Es bedarf weiterer Anstrengung, den vielfältigen Nährboden für Krieg, für Unterwerfung zu erkennen, autokratisch-patriarchale Muster konsequent zu überwinden. 

Autokratisch-patriarchalen Muster konsequent überwinden. Auch in Österreich. Auch in Unternehmen.  

Es ist verständlich, wenn Menschen aufgrund der Fülle an Leid und dem Versagen politischer Kräfte enttäuscht, desillusioniert oder all der leidvollen Turbulenzen müde sind. Doch wir sollen uns darin nicht verlieren. Demokratie ist nie fertig. Sie braucht uns. Es gibt viel zu tun. Und wer glaubt, dass autoritäre Rezepte besser greifen, sich Vorteile daraus schön(ge)redet (hat), hat Demokratie im Ansatz nicht verstanden. Das Leben in Freiheit und Selbstbestimmung ist das beste Leben, das wir uns gemeinsam ermöglichen können. Doch wir dürfen nicht aufhören, uns darum zu bemühen, uns anzustrengen, dafür Sorge zu tragen. Autoritäres Denken, autoritäre Strukturen, demokratieschwächende Kräfte, Lobbyismus auf Kosten von demokratiebewahrender Politik, die Dominanz etablierter, unwirtschaftlicher Wirtschaftspolitik, die Ignoranz gegenüber partnerschaftlicher Musterstärkung, … All die autokratisch-patriarchalen Muster konsequent überwinden. Auch in Österreich. Auch in Unternehmen.  

Demokratie unter Druck

Es geht darum, unsere demokratischen Errungenschaften und Institutionen schützen. 

Wenn von Armut gefährdete und armutsbetroffene Menschen in demokratischen Gesellschaften eher illiberale Staatsformen wünschen, dann ist das ein Zeichen, dass Demokratie nicht durchdringend wirkt. Ende 2021 wurde vom SORA Institut der jährliche Demokratie Monitor vorgestellt. Systemvertrauen auf dem Tiefpunkt: Darin zeigt sich, dass beinahe sechs von zehn Menschen überzeugt sind, dass das politische System in Österreich weniger oder gar nicht gut funktioniert. Menschen aus allen Teilen der befragten Bevölkerung haben einen starken Vertrauensverlust in die Integrität politischer Akteure genannt. Der Rückgang des Vertrauens in die Politiker hat sich verstärkt. In den armutsbetroffenen Teilen nicht so signifikant steigend, wie in den anderen Teilen, denn hier war bereits die Jahre davor das Vertrauen in die Politiker am geringsten. Doch 75% der befragten Bevölkerung glaubt an die Demokratie und fordert Maßnahmen zur Stärkung. Gefordert wird u.a. Respekt für die Justiz, Arbeit für das Land, mehr Rechtsbewusstsein. Es geht darum, unsere demokratischen Errungenschaften und Institutionen zu schützen. 

Demokratie hört nicht vor den Unternehmenspforten auf

Meine Artikel sind “demokratie unternehmen” Beiträge. Anregungen für eine gesunde und starke Gesellschaft, für eine gesunde und starke Wirtschaft, für das Miteinander-füreinander-leisten, für wirkungsvolle Teamarbeit, für selbstorgansiertes Lernen in Organisationen aller Art. In den letzten Ausgaben habe ich über die Wirkungsmacht von “disqourse” Lernen berichtet, wie es Agilität befördert, diesen erforderlichen Zustand in Unternehmen, der nur durch einen wahrnehmbaren Fortschritt in sozialer Interaktion gelingen kann. Auch gab es das letzte Mal wieder einen Denkausflug in das autoritäre Modell der Führungskräfte-Logik und wie dieses einer gemeinsamen Führungsarbeit im Wege steht. 

Unternehmen sind Orte, in denen sich Gesellschaft trifft. Es müssen Orte sein, die im Denken und Handeln nicht im Widerspruch zu unseren demokratischen Grundwerten stehen. Es müssen Orte sein und werden, die in Demokratien einzahlen und diese stärken.

Managementtheorien, die sich entkoppelt von Demokratien denken, lehren, lernen und anwenden lassen, sind ständig der Gefahr ausgesetzt, für nicht-demokratisches Handeln vereinnahmt und legitimiert zu werden. Auch im Kleinen. Auch in Österreich. Auch in Unternehmen. Sich autokratisch-patriachalen Mustern in Unternehmen bewusst zu werden und diese zu überwinden, bilden wesentliche Grundlagen, um Unternehmensorte zu demokratisch wirkungsvollen Orten zu machen. Diese Orte, in denen sich Gesellschaft trifft, müssen Orte sein, die im Denken und Handeln nicht im Widerspruch zu unseren demokratischen Grundwerten stehen. Es müssen Orte sein und werden, die in Demokratien einzahlen und diese stärken. Beta-Orte. Beta-Unternehmen. Demokratie, Wirtschaft und Beta gehören zusammen.

Was Demokratieentwicklung mit Unternehmertum zu tun hat

Verantwortungsvolle Organisationsgestaltung im Einklang mit demokratischer, bürgerlicher Mitverantwortung.

Wir brauchen Unternehmen und Institutionen, die einem humanistischen Menschenbild verpflichtet sind, die echte Wertschöpfung zu betreiben wissen und robust mit dynamischen Veränderungen umgehen können. Dazu benötigen wir Organisationsdesigns und Prinzipien der Zusammenarbeit, die in das gemeinsame Wertschöpfen im positiven Wirkungskreis aller einzahlen – und damit auch in unsere Demokratien. 

Zum ganzen Artikel Was Demokratieentwicklung mit Unternehmertum zu tun hat” *Bild: “Positiver Wirkungskreis” aus „Zellstrukturdesign“ von Niels Pfläging / Silke Hermann, VAHLEN 2020

Wirtschaftssysteme sind von Menschen gemacht. Wir können Systeme ändern.

“Fehlerhafte Wirtschaftsmodelle führen zu fehlerhafter Wirtschaftspolitik. Top-Down-Hierarchien bilden ein künstliches Bollwerk gegen Vertrauen, Mitgefühl und Fürsorge. Dominanzgeprägte Systeme verhindern wirtschaftliche und menschliche Weiterentwicklung. Wir können den wiederkehrenden Krisen wie Armut, Krieg, Überbevölkerung, Umweltzerstörung nur ein Ende setzen, wenn wir Wirtschaft und Wirtschaftspolitik von Grund auf neu denken.”

Riane Eisler, aus Die verkannten Grundlagen der Ökonomie, Büchner Verlag, 2019

BetaCodex Meetup “demokratie unternehmen”, 15. März. 2022, von 16:00 – 18:00, online

Mehr über die Arbeit von Riane Eisler, über Partnerismus und den Beta-Kodex, über die gesellschaftliche Relevanz von Unternehmen als demokratiebildende Orte gibt es bei unserem nächsten BetaCodex Meetup.

“Democracy cannot defend itself; it needs the will of the citizens, the commitment of everyone. Basically, there is no democracy without democrats.” Wladimir Klitschko

“Ärzte ohne Grenzen” – Jetzt spenden!

Bei einer Spende an Ärzte ohne Grenzen schenken wir euch das Poster “demokratie unternehmen”  mit Zitaten von 27 Meisterinnen für eine gesunde Wirtschaft & Gesellschaft. Einfach ein Mail mit Postadressen an info@sichtart.at senden.