Rechte, Pflichten, Freiheiten, Einschränkungen

Sichtarten „zeichnend gedacht“

Zum Beispiel: Vor der Pandemie gab es in einigen oder mehreren Unternehmen das Recht auf Homeoffice. Manchmal sogar schon zwei Tage pro Woche. Andere Unternehmen wollten das (noch) nicht erlauben. Man weiß ja nie. 2020 wurde Homeoffice zur Pflicht. Sogar mit privatem Equipment erlaubt, denn diese Digitalisierungssache kam für einige Firmen dann doch sehr überraschend. Nun behaupten mache Firmen, sie seien jetzt auch „im New Work angekommen“, andere haben absurde firmeninterne Vorschreibungen ausgerollt, die Regelungsdebatte zwischen WK und AK läuft. Um was geht es hier eigentlich? Die Rechte- und Pflichtenfrage zum Homeoffice hat doch nur einen Anspruch, wenn es um den Schutz der Bevölkerung geht, also um das Gemeinwohl. Alle anderen Rechte- & Pflichten Debatten dazu münden in der Infantilisierung Erwachsener. Sie erinnern mich dann immer an das Jugendschutzgesetz oder die Erwachsenenschutzhilfe. Wenn Mitarbeiter*innen sich freuen, Homeoffice machen zu dürfen, sagt dieses „dürfen“ im Satz etwas über das vorhandene Menschenbild in Unternehmen aus. Vereinheitlichungen hierzu sind schädlich. Homeoffice ist je nach Tätigkeit mal möglich oder eben nicht. Zusammenarbeit gestalten, Miteinander-füreinander-leisten, passend zu aktuellen sehr diversen Lebenssituationen braucht Vereinbarungen als Team und kann kein davon entkoppelter Punkt in einer Betriebsvereinbarung sein. Wir Menschen können Arbeit und Zusammenarbeit gestalten. Das ist unser Recht. Wir müssen sie auch. Das ist unsere Pflicht.
Elisabeth Sechser

©markundhamann

Apropos Pandemie: Wie sich in liberalen Demokratien Rechte und Pflichten auch in Freiheiten und Einschränkungen zeigen.

„(…) Auch hier können wir eine Lehre aus der Geschichte ziehen: Demokratie ist nicht schlicht die Herrschaft der Volksmehrheit. Sie lebt vielmehr von ihrer Einschränkung, von Checks and Balances, von der Vermittlung zwischen den Funktionssystemen. Keine Präsidentin, kein Experte, aber auch kein Volk kann einfach durchregieren. Populisten sind die Feinde der nüchternen Demokratie. Sie behaupten, wir lebten wegen dieser Einschränkung in einer Pseudo- oder Postdemokratie: Nur alle paar Jahre wählen, das sei nicht genug, eigentlich müsste das Volk beständig befragt und der Mehrheitswille radikal umgesetzt werden. Aber die Repräsentation ist unverzichtbar für moderne Demokratien. Auch der Rechtsstaat schränkt die Macht des Volkes ein. Mehrheiten können ihn nicht einfach aushebeln. Für die Pandemie heißt das konkret: Wir sehen, wie entscheidend das Vertrauen zwischen Regierung und Bevölkerung ist – und alle Seiten haben guten Grund zu diesem Vertrauen. Das Volk ist heute so gebildet und, wenn wir den Umfragen glauben können, so tolerant wie noch nie. Aber es ist wichtig, dass die vom Volk gewählte Regierung stark ist und Einschränkungen durchzusetzen vermag. Mit dem Schutz des Lebens, den die Pandemieregulierungen forcieren, wird es überhaupt erst möglich, dass der demokratische Staat seiner Kernaufgabe nachkommen kann: der Wahrung der Menschenwürde. (…)“

Hedwig Richter, Historikerin, Aus: ZEITONLINE: „Die Geschichte lehrt uns Nüchternheit“

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Wir denken gemeinsam über Wertschöpfung und Demokratie nach. Dann legen wir Fährten. Diese können aufregen, anregen, polarisieren, verbinden, etwas auflösen oder auslösen. Sichtarten von Elisabeth Sechser sind für Gutes Neues Arbeiten. Die von Manuela Mark und Thomas Hamann entwickelte Methodik »zeichnend denken« legt Denkmuster frei, vermittelt und bezieht differente Sichtweisen, Interessen und Ambitionen mit ein. Sie hilft, neue Impulse zu setzen und Orientierung in komplexen Prozessen herzustellen.  

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