Wenn Sparen den Bedarf nur verlagert
Geld wird scheinbar knapper. Finanzielle Mittel werden gekürzt, Organisationen im Sozial- und Gesundheitsbereich sollen „effizienter” werden und gleichzeitig steigende Bedarfe bewältigen. Mitarbeitende, Führungskräfte und Geschäftsführungen reagieren darauf irritiert. Denn sie erleben täglich, was in politischen Einsparungsdebatten oft vernachlässigt wird: Wird eine Leistung gestrichen, verschwindet der Bedarf nicht. Arbeit und Kosten werden in andere öffentliche Systeme, zu anderen sozialen Organisationen, zu Angehörigen, in unbezahlte Care-Arbeit oder in die Zukunft verlagert. Zugleich werden gesellschaftliche Teilhabe, sozialer Zusammenhalt und damit auch demokratische Strukturen geschwächt.
Wir können nicht mehr einsparen
Diese Unlogik schwappt dann in die Organisationen und irgendwer versucht oftmals logisch nachvollziehbare Erklärungen zu formulieren. Vergebens. Das Rauschen „Wir können nicht mehr einsparen” ist Ausdruck von Ratlosigkeit. Der Satz stimmt. Und der Satz stimmt auch nicht. Er stimmt, wenn damit gemeint ist: Mitarbeiter:innen, Beziehungszeit, fachliche Qualität und professionelle Handlungsmöglichkeiten können nicht reduziert werden, ohne die Wertschöpfung selbst zu beschädigen. Doch eine Politik, die unpassende Managementlogiken zulässt, die soziale und gesundheitliche Organisationen budgetär vor allem als Kostenräume betrachtet, unternehmerisches Handeln in diesen Wertschöpfungshochburgen drosselt, hört das nicht. Doch nichts zu tun halte ich für gefährlich. Denn weder das Verharren im „Nein“ zum Sparen noch das Hängenbleiben in der Empörung und auch nicht die Behauptung, im Sozial- und Gesundheitsbereich müsse alles bleiben, wie es ist, hilft aktuell.
Wirtschaft geht alle etwas an
Wirtschaft und Effizienz sind sehr schöne Begriffe, wenn sie im Sinne der Wertschöpfung eingesetzt werden. Gerade jetzt ist es klug, wenn sich alle Menschen in Organisationen mit Wirtschaft beschäftigen und unterscheiden lernen: Wo werden tatsächlich Ressourcen verschwendet? Wo behindern schlechte Prozesse die Arbeit? Wo werden Entscheidungswege durch alte Führungskonzepte zu lang? Wo wird unter dem Etikett der Effizienz genau das reduziert, wodurch eine Organisation Wirkung für die Gesellschaft erzeugt? Die Frage, wie Wirkung und Wertschöpfung entstehen, ist ein gemeinsames unternehmerisches Vorhaben. Wenn Mitarbeitende, Führungskräfte und Geschäftsführungen ihr Wissen verbinden, entsteht ein stärkeres gemeinsames Verständnis davon, was gute Arbeit und organisationale Leistungsfähigkeit brauchen. Diese wirtschaftliche Bedeutung der Arbeit darf nicht aus dem Unternehmen wandern.
Drei Probleme, die Organisationen schwächen
In zwanzig Jahren Organisationsentwicklung habe ich dabei drei Muster immer wieder beobachtet:
- Das Denkproblem: Es wird optimiert, was sich leicht messen lässt – auch wenn dadurch die tatsächliche Wertschöpfung geschwächt wird. Solche Managementmethoden im öffentlichen Sektor sind das Problem. Sie passen nicht zur Wertschöpfung.
- Das Kompetenz- und Machtproblem: Wer wirtschaftlich nicht sprachfähig ist, überlässt anderen die Definition dessen, was die eigene Arbeit wert ist.
- Das Gestaltungsproblem: Etablierte Finanzierungs- und Managementlogiken werden als gegeben hingenommen, statt sie neu zu gestalten.
Auf diese Punkte werde ich in den kommenden Beiträgen näher eingehen. Denn aktuell stehen wir vor dem Problem, Verschwendung zu erkennen, Wertschöpfung zu schützen und wirtschaftlich sprachfähig zu werden, um Rahmenbedingungen mitzugestalten.
Wirtschaftliche Sprachfähigkeit verteilt Macht
Spätestens jetzt zeigt sich ein Kardinalfehler vieler Managementbehauptungen: Sowohl die Annahme, man müsse Mitarbeitende vor wirtschaftlichen Themen schützen, als auch die Annahme, wirtschaftliches Denken und Handeln sei Chefsache, sind schädlich. Die Folge ist, dass wichtiges Fachwissen und wirtschaftliches Denken getrennt bleiben. Genau diese Verbindung ist jedoch notwendig, um gemeinsam bessere Entscheidungen zu treffen und die eigene Wertschöpfung argumentationsstark zu vertreten und neue Geschäftsmodelle und Innovationen auf den Weg zu bringen.
Es ist gefährlich, wenn sich nicht alle im Unternehmen für Wirtschaft interessieren. Wer die wirtschaftliche Deutung der Arbeit anderen überlässt, überlässt ihnen auch die Entscheidung darüber, was als wertvoll gilt und was eingespart werden darf. Durch ein besseres Wissen über Wirtschaft und Management entwickelt ein System Argumentationsstärke. Sehr oft wird heutzutage Effizienz behauptet, wo in Wahrheit Leistungsfähigkeit geschwächt und Wertschöpfung zerstört wird. Sich gemeinsam um die wirtschaftliche Bedeutung der Arbeit zu kümmern, stärkt die Organisation.
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