Mythos Digitalisierung

„Wir müssen gegen den alten Wunsch ankämpfen, mit Technologie alle Probleme lösen zu wollen. Und das Bizarre derzeit ist, dass es Begriffe gibt, die diesen Technologie-Aberglauben vervielfachen, wie „Digital Leadership“, „Digitale Transformation“ oder „Digitale Welt“. Die Leute essen ja trotzdem Brot und Käse.“

Hier gibt es ein paar Textauszüge eines erfrischenden Artikels von Anja Stegmaier, Wiener Zeitung, mit den brennendsten Fragen rund um Digitalisierung an Niels Pfläging. Digitalisierung als Werkzeug verstehen und das Miteinander-füreinander-leisten, also starke Teamverantwortung für erfolgreiche Wertschöfpung in den Fokus stellen. Technologienutzung verschlafen, sich dagegen aussprechen, ist unternehmerisch schädlich. Doch dem technologischen Fortschritt mehr zumuten als er ist, ist gefährlich und unpassend. Der Artikel ist ein Plädoyer für die komplexen Themen, wie Zusammenarbeit, Kommunikation, Führung, Innovation, KundInnen verstehen und dass wir dazu mit Technologie überhaupt nichts ausrichten können. Wir Menschen und wie wir zusammenarbeiten sind gefragt. Jeder und jede ist wichtig. Alle werden gebraucht.

„Es gibt keine Digitalisierung, es gibt einfach nur vertiefte Technologienutzung. Und da gibt es eigentlich kein Problem, denn wenn die Technologie gut ist, benutzen wir sie auch. Handys, Computer – da kommt letztlich keiner drumherum. Erfolgreicher werden die Unternehmen sein, die verstehen, dass man bei komplexen Themen, wie Zusammenarbeit, Kommunikation, Führung, Innovation, Kunden verstehen mit Technologie überhaupt nichts ausrichten kann. Man kann zwar Technologie nutzen, um zu kommunizieren. Aber man kann das Kommunikationsproblem zwischen Menschen nicht mit Technologie lösen. Erfolgreiche Unternehmen zeichnet höchste Teamverantwortung mit hoher Selbstorganisation in Arbeitsgruppen, geringe Bedeutung von Chefs, keine zentrale Steuerung aus. So kann die Wertschöpfung ungestört fließen.“

„Ja, es gibt nichts Kreativeres, als mit Kunden oder Patienten zu arbeiten oder zu reinigen. Also Friseur, Verkäufer, Krankenpfleger, Reinigungskraft. Die sind alle schlecht bezahlt. Man kann aber keinen Friseur automatisieren. Auch in 100 Jahren wird ein Mensch einem anderen Menschen die Haare schneiden, denn dafür braucht es Ideen und Fantasie. Auch für die systemrelevanten Berufe, die wir eventuell in den letzten Wochen mehr schätzen gelernt haben, braucht es Ideen. Da kann man nicht einfach Programme abspulen.“

„Digitalisierung ist von einem Werkzeugbegriff zu einer Projektionsfläche mutiert, unter der sich inzwischen jeder etwas anderes vorstellt. Sobald wir uns vom Werkzeugcharakter des Begriffs entfernen und zur Aufgabe des öffentlichen Sektors erklären, wird Verschwendung gigantischen Ausmaßes Tür und Tor geöffnet. Technologienutzung sollte der Staat immer nur indirekt befördern – etwa durch Bereitstellung angemessener Infrastruktur. Dafür gibt es aber bereits Institutionen und Programme. Neue Institutionen sind dafür nicht erforderlich. Schon deren Schaffung ist Verschwendung von Steuergeldern.“

Zum gesamten Artikel der Weiner Zeitung „Mythos Digitalisierung“