Organisationsphysik

Zeitgemäße Führungstheorie für Organisationen aller Art

Die wohl häufigste Art Organisationen zu beschreiben, sind Organigramme. Doch abgesehen davon, dass in ihnen die Beschreibung von Arbeit fehlt, der Markt- / Kundenkontakt nicht abgebildet ist und oftmals auch die Mitarbeiter*innen nicht vorkommen, ist dies nur eine von drei Strukturen die es in jeder Organisation, egal welcher Größe, gibt. Die Wertschöpfungsstruktur, die Formelle Struktur und die Informelle Struktur. Diese drei Strukturen leisten vollkommen unterschiedliches und sind durch die Akteur*innen einer Organisation miteinander verbunden. In ihnen entstehen drei sehr unterschiedliche Arten von Macht und Führung. Sie interagieren ständig miteinander.

In der Wertschöpfungsstruktur findet die eigentliche Arbeit statt. In ihr entsteht netzwerkhaft Leistung, Erfolg und Innovation. Die Informelle Struktur ist diejenige, in der sich das soziale Netz einer Organisation ausprägt. Sie ist sehr lebendig und dynamisch, unmöglich exakt festzuhalten. Die dritte Struktur ist die Formelle Struktur – sie dient für Compliance und Gesetzmäßigkeit. Die Balance zwischen diesen drei Strukturen ist entscheidend für die Wirksamkeit und Leistungsfähigkeit einer Organisation. 

Alle drei Strukturen der Organisationsphysik sind unvermeidlich und unverzichtbar für jedes Unternehmen, jede Institution. Sie existieren in einem gewissen Zusammenwirken miteinander.

Es ist wichtig, Formeller Struktur nicht zu viel zuzumuten. Bei zu viel Hierarchie leidet die Wertschöpfung. Informelle Struktur, das Beziehungsnetz, reagiert absichernd, politisch, sozialdynamisch. Doch ausufernde informelle Struktur kann Nährboden für Mobbing sein. Wertschöpfungsstruktur wäre ohne Formelle Struktur, ohne Compliance instabil. Dann wird alles gemacht, was möglich ist – im Extremfall toleriert man Kinderarbeit und lässt Korruption freien Lauf. Unternehmen lassen sich nur in drei Strukturen wirksam denken. Als Interaktion zwischen Wertschöpfungsstruktur, Informeller und Formeller Struktur. Formelle und Informelle Strukturen können Befähiger von Wertschöpfung und Schmiermittel für Arbeit sein. Sie selbst können keine Leistung, Wettbewerbsfähigkeit, keinen Erfolg oder Wert hervorbringen. Das sieht man gut in heute üblichen Organigrammen. Diese reduzieren sich rein auf formelle Funktionen. In ihnen fehlt die Beschreibung von Arbeit. 

3 Strukturen, 3 Arten von Macht, 3 Arten von Führung

Aus der Wertschöpfungsstruktur entsteht die Macht der Reputation,  Könnerschaft. Die Formelle Struktur beschreibt das Konzept von Positions-Macht, von Hierarchie. Als Struktur ist sie weder vernetzt noch komplex, jedoch notwendig. Sie ist dazu fähig, die Einhaltung der Gesetze hervorzubringen. In ihr entsteht Konformität. Hierarchie soll jedoch Wertschöpfung nicht stören. Informelle Strukturen können als „Wolke“ miteinander verbundener Individuen verstanden werden. Mit verschiedenen Anzahlen von Verbindungen zu anderen. Die Informelle Struktur ist vernetzt. In ihr gibt es die Macht des Einflusses.

Die drei Arten von Führung, die sich hier entfalten sind die Führung der Persönlichkeit, Charisma, die Führung durch Könnerschaft, Expertise, das Beherrschen seines Handwerks und die Führung der Position, Hierarchische Führung. Bereits Mary Follett hat vor 100 Jahren die These aufgestellt, dass für starke Wertschöpfung die Könnerschaft, die Beherrschung im Vordergrund steht. Immer jene führen, die das Wesentliche einer Erfahrung erfassen können. Nicht die Persönlichkeit und auch nicht die Position. Allein die gemeinsame Führungsarbeit in der Wertschöpfungsstruktur entscheidet über Erfolg.

Das Meta-Modell Organisationsphysik wurde von Niels Pfläging und Silke Hermann entwickelt. Grundlagen dazu sind bereits in der Forschungsarbeit von Mary Follett, der Mutter des humanistischen Managements, zu finden. 

2 PODCASTFOLGEN ZUM ANHÖREN

3 WHITE PAPERS TO READ

 

 


Eine Einladung zu einer “zeichnend denken” Übung:

Zeichne die Größen der drei Strukturen in Kreisen sowie ihre Verbindungen zueinander so, wie du sie in deinem Arbeitsumfeld, deiner Organisation wahrnimmst. Besprich und vergleiche es dann mit deinen Kolleg*innen.

Die eigene und gemeinsame Beschäftigung mit den drei Strukturen und ihren Mächten, mit vorhandenen Dysbalancen, Störungen und Möglichkeiten, wie man in allen drei verortet ist, sind wertvolle Beiträge für das eigene Organisationsverständnis.

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