Wirtschaft betrifft uns alle

Wirtschaftssysteme auch!

Der Kapitalismus fährt gegen die Wand, aber niemand erforscht den Bremsweg.“ Dieses Zitat von Ulrike Herrmann schwirrt seit Tagen in meinem Kopf. Die Welt bremst nämlich gerade. Der Kapitalismus braucht Wachstum. Rohstoffe und Ressourcen sind begrenzt und die Klima-Krise läuten sein Ende ein. Existierende alternative Wirtschaftssysteme zeigen, wie es auch anders geht. Doch es gibt keinen Weg dorthin. Niemand beschäftigt sich mit dem Übergang. Oder vielleicht findet er schon statt?

Spuren von Ulrike Herrmann! Die Wirtschaftsjournalistin der taz und Buchautorin Ulrike Herrmann beschäftigt sich schon lange mit ökonomischen Fragen und wie dieser untrennbar mit deren sozialen und gesellschaftlichen Aspekten verbunden sind. Seit fast einem Jahr möchte ich etwas über Ulrike Herrmann und ihre großartige Arbeit schreiben; über ihre Bücher, ihre Vorträge und was all das mit uns allen zu tun hat. Irgendwie ist es sich bis heute nur in Skizzen ausgegangenen und wird auch heute nur skizzenhaft präsentiert. Ich finde darin Anregungen, die gerade in dieser schweren Zeit sehr hilfreich sind. Was mich dazu beschäftigt:

Läutet diese Pandemie das Ende des Kapitalismus ein? Ist sie die Brücke, die gefehlt hat, damit sich alternative Wirtschaftssysteme etablieren können? Kommt es nun zum Übergang, den die Welt schon länger braucht? Wie können wir diese Krise nutzen? Anstatt in einer schweren Wirtschaftskrise mit rechts populistischer Stärkung zu landen?  Wenn man den Umbau der Gesellschaft in eine postwachstums Gesellschaft möglich machen will, dann muss man einen Weg dorthin modellieren.

Welche Rolle, welche Beiträge werden nun die reichsten 10% der Bevölkerung leisten? Neben dem Staat und seinen Aufgaben Gesundheitsversorgung zu gewährleisten und Armut einzudämmen ist jetzt enormes Potential für Umverteilung gegeben und erforderlich.  

Lern- und Lesestoff zusammengefasst

Werkstatt Zukunft: „Vom Anfang und Ende des Kapitalismus“  Wie schafft man den Weg raus aus dem Kapitalismus? Eine Frage, mit der sich Ulrike Herrmann schon längere Zeit beschäftigt. Durch die Corona-Pandemie (wieder) sehr stark in den Mittelpunkt gerückt.

Die Potentiale der Vermögensverteilung:

  • Das oberste, reichste 1% der Bevölkerung hat 23% des gesamten Volksvermögens. (D)
  • Das reichste Zehntel hat bereits 62% (D)
  • Die unteren 70% (Unter- und Mittelschicht) kommen gemeinsam auf 9% des Volksvermögens (D)
  • Ungefähr 0,5 % der Österreicher*innen haben 33% des Geldvermögens (AT)
  • 2% der Österreicher*innen machen 40% der Immobilien-Erbschaften (AT)
  • Schätzung: 10% der Österreicher*innen haben 69% des Volksvermögens (AT)

Ulrike Herrmann und Fabian Scheidler: Die Krise des Kapitalismus und der sozial-ökologische Umbau

Friedrich-Ebert-Stiftung: „Ulrike Herrmann über die Kreislaufwirtschaft“ Als Sehnsuchtsorte nehmen Utopien seit der Antike eine zentrale Rolle für das politische Denken ein. Sie dienen als Orientierung und Inspiration für gesellschaftliche Emanzipationsbestrebungen von der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts bis zu den heutigen Fridays for Future-Demonstrationen.

Stiftung Demokratie Saarlan: „Die Eurokrise. Eine Krise ohne Vorbild“ Wer auch noch eine andere Krise verstehen möchte oder daraus lernen will: Wirtschaftliche Zusammenhänge gut erklärt. Ulrike Herrmann wird in ihrem Vortrag erläutern, wie die Schuldenkrise in Griechenland, die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank und die deutschen Exportüberschüsse zusammenhängen.

„Hurra, wir dürfen zahlen“, „Der Sieg des Kapitals“, „Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung“: Bücher von Ulrike Herrmann für alle, die Wirtschaft betrifft. Also alle. Die herrschende ökonomische Lehre bildet nicht die Realität ab. Bereits bei Smith, Marx und Keynes hingegen findet sich fast alles, um unser Wirtschaftssystem zu verstehen. Warum kommt es zu Finanzkrisen? Warum sind die Reichen reich und die Armen arm? Wie funktioniert Geld? Woher kommt das Wachstum? Schon Kinder stellen diese Fragen – aber die Ökonomen können sie nicht beantworten. Viele basteln an theoretischen Modellen, die mit der Realität nichts zu tun haben. Leider kosten die Irrtümer der Ökonomen nicht nur Milliarden, sondern sogar Menschenleben. Wer verstehen will, was falsch läuft, muss die Klassiker kennen: Adam Smith, Karl Marx und John Maynard Keynes. Sie werden an den Universitäten kaum, falsch oder gar nicht mehr gelehrt. Dabei haben diese drei Theoretiker die besten Antworten gegeben. Man muss sie neu entdecken. >>

Ulrike Herrmanns Hoffnung darf hier auch nicht fehlen:
„Vielleicht endet der Kapitalismus so, wie er angefangen hat. Unbemerkt und ungeplant. Vielleicht entsteht das Neue schon ohne, dass wir es bemerken.“  

Und meine natürlich auch nicht!
„Es ist jetzt wieder ein Anfang. Fangen wir an! Ich wünsche uns allen, dass wir diese Krise gut und gesund überstehen und gestärkt aus ihr hervorgehen. So, dass wir wertvolle Erfahrungen für das gemeinsame Gestalten unsere Zukunft daraus mitnehmen. Ich freue mich schon sehr auf ein Wiedersehen!“ Gemeinsam durch diese Zeit!   Elisabeth Sechser, Teil der Beta-Kodex Community; für ein der-Gesellschaft-zugewandtes, demokratisches Gestalten von Arbeitsorten.