Nahtstellenorganisation

Von der Schnittstelle zur Nahtstelle

  • Der primäre Ort von Organisation ist nicht der Inhalt der Systeme, Abteilungen oder Arbeitsplätze, sondern der Ort der Interaktion. Diese Orte der Organisation werden Nahtstellen genannt.
  • Von der „Kapazität ist fix“ und die Lieferzeit ist variabel zu „die Lieferzeit ist fix“ und die Kapazität ist variabel.
  • Das Denken in Mengenbegriffen wird abgelöst durch Zeitbegriffe.
  • Die Entkopplung von Leistung und Verantwortung (ein Vorgesetzter ist verantwortlich für Leistung seiner Untergebenen) wird abgelöst durch die Regel „Verantwortungsstrecke und Beeinflussungsstrecke müssen ident sein.“
  • Die allgegenwärtige Überzeugung, dass die Abstraktion (Statistik) objektiver das Geschehen darstellt als das Geschehen selbst, wird abgelehnt.

Bisher kümmern sich Organisationsbeschreibungen um die Inhalte von Abteilungen bis hin zu „Stellenbeschreibungen“ von Einzelpersonen. Bei der Nahtstellenorganisation steht, wie schon der Name sagt, die Interaktionsstelle (= Nahtstelle) zw. Leistungseinheiten wie z.B. Teams im Vordergrund und dokumentiert die Art und Weise der Zusammenarbeit dieser Teams. Die sich nicht trivial verhaltenden Mitglieder eines Teams verwenden gerade ihre Nichttrivialität, um als Teil eines Netzwerkes triviale Ergebnisse zu erzielen wie z.B. hohe Qualität, kurze Liefertermine, die auch präzise eingehalten werden. Ein weiterer Konstanten-Wechsel betrifft das von Mengenbegriffen dominierte betriebswirtschaftliche Denken wie z.B. in den Begriffen: „volle Auslastung, Losgröße, Firmenzusammenschlüsse, Skaleneffekte, usw.“ zum Ausdruck kommt. Diese Mengenbegriffe verlieren bei der Nahtstellenorganisation an Bedeutung und werden durch Zeitbegriffe ersetzt.
„Fließen lassen statt zusammenfassen“ stellt gewohnte Betriebsplanungssysteme auf den Kopf.
Das Umdenken zahlt sich aus: „Die Produktivität steigt um 30 bis 50 Prozent und mehr, die Lieferzeit wird auf wenige Tage, manchmal auch Stunden, reduziert, die Hektik verlässt die Firma und die innerbetrieblichen und außerbetrieblichen Beziehungen und alle Menschen die davon betroffen sind, sind stolz auf ihre Leistung und ihren Gewinn an Freizeit, Bildung, Ausbildung und auch Einkommen.“ Wenn das nicht trivial ist?!

Von Ernst Weichselbaum  | Ein Vordenker, Konstruktivist, Philosoph, Berater und Erfinder der Nahtstellenorganisation
Aus: „Heinz von Förster Congress 2005“, www.univie.ac.at/hvf05/abstracts/Weichselbaum.html

Unternehmensbeispiel: Blaha Büromöbel GmbH

Prägend für die andere Form des Zusammenarbeitens bei Blaha Büromöbel war Ernst Weichselbaum, ein Vordenker, Konstruktivist, Philosoph, Berater und Erfinder und Umsetzer der Nahtstellenorganisation.

  • Der Glaube an die summative Intelligenz: Die Blaha Büromöbel GmbH  ist ein österreichisches Familienunternehmen, organisiert sich fraktal in einer Zwei-Kreisorganisation mittels autonomer Teams und Nahtstellenvereinbarungen, kommuniziert in täglichen ‘Scrum ähnlichen’ Meetings und verkauft keine Möbelstücke mehr sondern Konzepte. Das Unternehmen ermöglicht durch Just-in-time Produktion eine Lieferzeit von 9 Werktagen. 
  • Von der klassischen, funktionsorientierten Produktion hin zum Prinzip der Nahtstellenorganisation, der Teamarbeit in einer prozessorientierten, fraktalen Organisation. Hier ist echte MitarbeiterInnenbeteiligung, Selbstorganisation, Selbstverantwortung und ausschließlich Teamleistung möglich und nötig. 
  • Mitarbeiter: 125, Umsatz: 16 Mio. Euro, Exportanteil: 20 Prozent vom Umsatz, Produkte und Dienstleistungen: Hightech-Büromöbel, Schreibtische, Drehsessel, Partnerstühle und Konferenzmöbel, Akkustik-, Stauraum- und Trennwandsysteme, umfassende Raumkonzepte, Gestaltung von Büroräumen und Bürogebäuden.

„Aus der Sicht des Bisherigen, ist das Neue immer falsch. Im alten Denkrahmen ist nicht wirklich Neues möglich. Neues, ist daran erkennbar, dass es zur Beschreibung des Neuen neuer Begriffe bedarf und dass es zu nachhaltigen Konstanten-Verschiebungen kommt; Konstanten im Fühlen, Denken und Handeln.“  Ernst Weichselbaum