Was Demokratieentwicklung mit Unternehmertum zu tun hat

Lebendige, sich entwickelnde, lernende, diskursstarke Zustände in Demokratien machen Gesellschaften robuster. Der fortlaufende, nie endende Prozess der Vergemeinschaftung ist Grundlage, um sozialen Frieden und Wohlstand für alle zu sichern und auszubauen. Demokratie ist kein fertiger Zustand, es müssen sich immer all jene um sie kümmern, die mit ihrem Können und Wissen zur Lösung von Problemen beitragen können. All das brauchen wir für Wertschöpfung. All das brauchen wir in und aus Unternehmen und Institutionen.

Bild: Nachhaltigkeit bedeutet: den positiven Wirkungskreis zwischen
den Anspruchsgruppen zu schließen. Aus „Zellstrukturdesign“

Verantwortungsvolles, zeitgemäßes Unternehmertum
erfordert historisches Bewusstsein.

Hedwig Richter, Professorin für Neuere und Neueste Geschichte, deckt in ihrer Arbeit auf, an welchen Stellen unser Verständnis der Demokratieentwicklung und ihrer grundlegenden Reformbewegungen Lücken aufweist oder sogar durch Unkenntnis geprägt ist. Ähnlich ist es auch bei den Narrativen zur Ökonomie, zum Unternehmertum und zur Organisationsgestaltung. Economies of Scale ist ein Auslaufmodell. Optimierung ist schon lange nicht mehr ausreichend. Unser lückenhaftes Geschichtsverständnis auch in der Ökonomie zu ergänzen und das Bewusstsein für Zusammenhänge zu stärken dient uns allen: Es bedarf der Musterüberwindung. Verantwortungsvolles, zeitgemäßes Unternehmertum erfordert darum auch historisches Bewusstsein.

Demokratie hört nicht vor
den Unternehmenspforten auf.

Die heute immer noch verbreitete Form der dominant tayloristischen-hierarchischen Unternehmensführung ist einer der größten Irrtümer bei der Gestaltung von Arbeit und Zusammenarbeit in Komplexität. Denn diese Unternehmensführung ist weder geeignet noch stark genug, neuen Anforderungen der Wissensgesellschaft und den Herausforderungen unserer Gesellschaften zu genügen. Wir brauchen Unternehmen und Institutionen, die einem humanistischen Menschenbild verpflichtet sind, die echte Wertschöpfung zu betreiben wissen und robust mit dynamischen Veränderungen umgehen können. Dazu benötigen wir Organisationsdesigns und Prinzipien der Zusammenarbeit, die in das gemeinsame Wertschöpfen im positiven Wirkungskreis aller einzahlen – und damit auch in unsere Demokratien. Denn Demokratie hört ja nicht vor den Unternehmenspforten auf. Angesteckt von den Managementtheorien von vorgestern, finden sich jedoch viele demokratieabgewandte Spuren in all jenen Organisationen, die stark hierarchisch, steuernd, zentralistisch funktionieren. Ob in der sogenannten „Privatwirtschaft“, als auch in Sozialunternehmen, im Gesundheit- und Bildungsbereich oder im öffentlichen Sektor.

Verantwortungsvolle Organisationsgestaltung im Einklang
mit demokratischer, bürgerlicher Mitverantwortung.

In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit Organisationsgestaltung für mehr Selbstorganisation, mehr Dezentralität, mehr demokratisches Wirken. Das gibt den Menschen ihre Verantwortung und Selbstbestimmung zurück. Das macht Miteinander-füreinander-leisten möglich und setzt in Unternehmen und Organisationen die nötige Kraft frei, um in heutigen Märkten zu bestehen. Verantwortungsvolles Unternehmertum, das ist auch verantwortungsvolle Organisationsgestaltung im Einklang mit demokratischer, bürgerlicher Mitverantwortung.

Sichtarten zu Demokratie und Wertschöpfung „zeichnend gedacht“

Gewinnmaximierung und Shareholder-Value-Theorien sind mechanistische und gesellschaftsfeindliche Dogmen. Erfolg ist kein Nullsummenspiel. Und auch nicht “Win-Win”! Erfolg entsteht, wenn ein positiver Wirkungskreis zwischen der Wertschöpfung für Mitarbeitende, KundInnen, Gesellschaft, EigentümerInnen erzeugt wird. Der Wirkungskreis darf nicht auf Kosten einer Gruppe unterbrochen werden. 

 Starke Wertschöpfung Selbstorganisation in Dezentralität

Managementlehren, die sich entkoppelt von Demokratie denken, lehren, lernen und anwenden lassen, sind ständig der Gefahr ausgesetzt, für nicht-demokratisches Handeln vereinnahmt und legitimiert zu werden. Auch im Kleinen. Auch Heute. Das ist in der Arbeit, der Unternehmensführung, der Organisationsgestaltung mit dem Beta-Kodex nicht möglich. Er kann sich nur der Gesellschaft zugewandt in Demokratie entfalten, Erfolge und Mehrwert schaffen und eine Ökonomie stärken, die wir alle brauchen. Der Beta-Kodex ist gekoppelt an, verbunden mit unseren demokratischen Grundwerten, Rechten und Pflichten. Für demokratisch-marktwirtschaftliches Unternehmertum finden wir im Beta-Kodex all die Arbeit, all die Anstrengung, all die Prinzipien, die es für echte Wertschöpfung, für Selbstorganisation in Dezentralität braucht. 

Eine gesunde Gesellschaft braucht Demokratie.
Eine gesunde Wirtschaft auch. 

Elisabeth Sechser, Organisationsentwicklerin, Impulsgeberin für Gutes Neues Arbeiten